Presseberichte

Schwäbische Zeitung Landesüberblick SZ-Porträt: Peter Lutz vom 11.12.1999
Dürnau - Mit seiner behindertengerechten Nähmaschinensteuerung möchte der Dürnauer Unternehmer Peter Lutz behinderten Menschen die Freude am Nähen erhalten. Die Idee ist einfach, ebenso die technische Ausführung. Nur draufkommen muss man.

"Die Kraft im Fuß lässt nach!". Dieser Satz ließ Peter Lutz keine Ruhe. Ausgesprochen hatte ihn eine Frau, die an Multipler Sklerose erkrankt war. Jetzt konnte Sie noch gehen, bald würde Sie ihr Leben im Rollstuhl verbringen müssen. Wie sollte Sie dann das Fußpedal ihrer Nähmaschine bedienen? Müsste Sie künftig auf das geliebte Hobby, dieses Stück Selbständigkeit, verzichten? "Das kann nicht sein", sagte sich der Dürnauer Nähmaschinenmechaniker und begann das Tüfteln.

Rund zwei Jahre überlegte, experimentierte, konstruierte und probierte er. Die Funktion und Technik des Fußpedals musste quasi ausgelagert und auf die Hand übertragen werden. Ein kleiner Schalter mit zwei Knöpfen, der mittels Klettverschluß an der Innenseite der Hand befestigt wird, so sieht das Ergebnis des 35-jährigen Dürnauer Unternehmers aus. Ein Knopf zum Ein- und Ausschalten sowie ein Knopf zur Regulierung der Geschwindigkeit, die leicht mit dem Mittelfinger bedient werden können. Der entscheidende Vorteil: Daumen und Zeigefinger bleiben frei um den Stoff beim Nähen zu führen. "Auch eine 30 Jahre alte Nähmaschine kann mit diesem Steuerschalter nachgerüstet werden", sagt Peter Lutz.
Solche Sonderanfertigungen müssen für die Betroffenen bezahlbar bleiben, weiß der Tüftler. Vor wenigen Monaten war es eine Frau mit steifen Fingern, die "in alle Richtungen abstanden": Nur der Daumen war noch funktionsfähig. Peter Lutz entwickelte die Handsteuerung mit einem Drucksensor, der mit diesem intakten Fingerglied bedient werden kann. "Damit konnte ich ihr ein Stück Selbständigkeit bewahren", ist sich der Familienvater sicher. Mit seiner "Erfindung", möchte der nähbegeisterte Mann behinderten Menschen die Freude an Nadel und Faden möglichst lange erhalten. Er selbst beobachtete vor einigen Jahren eine Frau, die einen Jogginganzug zusammennähte. "Was die kann, kann ich auch!"Mit diesem Vorsatz kaufte er seine erste Nähmaschine, übte sich in Grad- und Kreuzstichen und fortan ließ ihn das Einfädeln nicht mehr los. Ihm zum Spaß und seiner Familie zur Freud« gestaltete sich das ungewöhnliche Hobby. "Nähonkel", nannten ihn sinnigerweise seine Patenkinder. Den Kleinen pflegte er nämlich Unterwäsche zu nähen. Praktisch waren solche Geschenke und die Familienkasse wurde auch entlastet.

Vor 5 Jahren machte sich Peter Lutz selbständig. Seither verkauft er in dem kleinen Ort Dürnau bei Bad Buchau Nähmaschinen aller gängigen Fabrikate und repariert defekte Nähmaschinen. Ansonsten hat er alles an Nadel und Faden auf Lager, was zum Nähen gehört. Und er findet noch genügend Zeit, seinem Hobby nachzugehen: Er sammelt alte Nähmaschinen.

Autor: H. Volk
Bericht aus dem Wochenblatt vom 08. Januar 2015
Autor: Christian Schwarz